26. November 2016: Referat von Kurt Messmer, Emmenbrücke

messmerAm Ende des 14. Jahrhunderts war die politische Situation im schweizerischen Raum explosiv. Die Habsburger wollten in den vorderen Landen ihren Streubesitz zu einem schwäbischen Herzogtum zusammenfassen. Gleichzeitig dehnten die eidgenössischen Städte Bern, Luzern, Basel, Solothurn ihre Herrschaft aus. Der Konflikt war programmiert, seine Dimension epochal. Die Schlacht bei Sempach wurde 1386 nicht allein zum Durchbruch des Luzerner Stadtstaats, sondern symbolisiert darüber hinaus einen tief greifenden Wandel. Die Zeit der Ritter war vorbei. Die Zukunft gehörte den Städten. - Die Erarbeitung von Quellen zum Verlauf der Schlacht und namentlich zu Winkelried wird zu einem erhellenden Einblick in die Geschichtsfabrik. Die „Entstehung“ der Eidgenossenschaft in der Zeit der Burgunderkriege erforderte ein glorreiches historisches Fundament. In den 1470er Jahren erscheinen in den Quellen erstmals Wilhelm Tell und „ein getrüwer man“. Der Mythos Winkelried gehört zu den eindrücklichsten Beispielen der Erinnerungskultur, die unser Land kennt. Seine Wirkung hält bis heute an.

Zum Bild: Entscheidung bei Sempach 1386 aus habsburgischer Sicht. Leopold III. wird durch einen Hellebardenhieb eines Eidgenossen getötet. Für die österreichischen Geschichtsschreiber steht von Beginn weg fest: Der Held von Sempach ist der habsburgische Herzog. Keine Spur von Winkelried. Darstellung aus der Chronik von Clemens Specker, entstanden im Kloster Königsfelden um 1480, rund hundert Jahre nach der Schlacht.

Auch Gäste sind stets gerne willkommen.

Im Gebäude der ewl, Industriestrasse 6, Luzern, 6. Stock. Türöffnung um 14.00 Uhr, Beginn um 14.30 Uhr